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NSDAP, SA, Homofeindlickeit
@lesezeichen@ieji.de
Zumindest sieht sie sich ganz aktuell selbst als Teil eines „anderen Lebensmodells“ als das der heteronormativen Parteilinie und dessen geplante Benachteiligung sie nicht mittragen möchte und das auch öffentlich kundtut.
Was dieses Modell und z.B. die (potenziell auch rein platonische) Liebesbekundung an ihre Ehefrau¹ (die laut ihrer Aussage im gleichen Artikel keinen Migrationshintergrund hat) konkret für sie bedeuten, ist – wie du schon richtig schreibst – ihre Privatangelegenheit und Teil ihrer Selbstbestimmung², egal, wie eins zu ihr, ihrer Politik und ihrem Rassismus als berechnende Karrieristin³ steht.
Und damit sprichst du auch einen wichtigen Punkt an, der auf Röhm (nicht aber auf z.B. den sich selbst als offen schwul bezeichneten Spahn⁴) zutrifft – die sexuelle Fremdbezeichnung (als Gotcha!-Moment und Übergriffigkeit, auch insbesondere von linker Seite), die weder er noch SA und NSDAP bestritt bzw. öffentlich Beachtung schenkte, bis sie vom Regime im Zuge der Ergreifung/Ermordung gegen ihn verwendet wurde:
"Röhm war bereits 1931 geoutet worden, als die sozialdemokratische Zeitung „Münchner Post“ ihn wegen „ homosexueller Umtriebe“ angegriffen hatte. Im März 1932 veröffentlichte die Presse dann private Briefe Röhms, die an Deutlichkeit über seine sexuelle Orientierung nichts zu wünschen übrigließen. Die Berliner Polizei hatte diese Briefe bereits im Jahr zuvor beschlagnahmt und dem Journalisten Helmuth Klotz zugespielt."
[...]
"Die NS-Gegner hatten allerdings ein Problem. Sie waren in vielen Fällen gegen die Kriminalisierung der Homosexualität – da konnten sie schlecht genau diese sexuellen Vorlieben gegen ihre Feinde anführen. So hätten sie das Thema tatsächlich mit Augenmaß behandelt, urteilt Daniel Siemens. Ein Beispiel war der berühmte Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky, ein scharfzüngiger Nazi-Kritiker, der in der Zeitschrift „ Weltbühne“ schrieb, Attacken auf Röhm wegen seiner Homosexualität seien unredlich; man solle seinen Gegner nicht im Bett aufsuchen."
[...]
Tatsächlich findet sich bis heute die Ansicht, Homosexualität sei im Nationalsozialismus überdurchschnittlich verbreitet gewesen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass das den Tatsachen entspricht. Aber eins ist klar: Hitler selbst ist, mit seiner Strategie, die „Nacht der langen Messer“ auch als „Säuberung“ von Homosexualität in den Reihen der SA darzustellen, einer der Urheber des langlebigen Topos vom „schwulen Nazi“.⁵
Weidels neuerliche Abkehr von der Parteilinie ggü. "'nicht normalen Geschlechtsidentitäten" oder "abseitigen sexuellen Vorlieben'"[sic] ist insofern interessant, als dass sie nicht Kopf des paramilitärischen Arms der Partei, sondern ihre Spitze selbst ist:
"Mit großen Teilen der NSDAP-Führungsriege liegt Röhm in Fragen von Moral und Sittlichkeit über Kreuz. Und das macht er auch öffentlich deutlich. In seiner 1928 veröffentlichten Biografie „Die Geschichte eines Hochverräters“ macht er keinen Hehl daraus, dass sein Kampf auch „einer gesellschaftlichen Ordnung, die an Stelle gesunder Anerkennung natürlicher Vorgänge und Erkenntnisse Heuchelei, Lüge, Verstellung, Prüderie und unangebrachte Entrüstung vorschreibt“, gelte.
Das Thema Homosexualität spricht Röhm allerdings nicht direkt an, obwohl er „mit dem Absatz über Moral vor allem gegen den § 175“ kämpfen will, wie er Heimsoth am 3.12.1928 schreibt."⁵
Geschichte reimt sich auch manchmal nur.
__
¹ Alice Weidel macht Ehefrau in Zürich eine Liebeserklärung | Tages-Anzeiger
https://archive.ph/tHl5X
² Projekt GERDEA: (K)Eine Gefahr für die herrschende Ordnung? Alice Weidel als Beispiel für die Einhegung von Widersprüchen in der extremen Rechten
https://web.archive.org/web/20260306031637/https://www.projekt-gerdea.de/blog/keine-gefahr-fuer-die-herrschende-ordnung-alice-weidel-als-beispiel-fuer-die-einhegung-von-widerspruechen-in-der-extremen-rechten
³ Im Kopf der AfD: Warum Alice Weidel keine „Unperson“ ist
https://web.archive.org/web/20260706053820/https://maenner.media/gesellschaft/politik/warum-alice-weidel-keine-unperson-ist/
⁴ Sexuelle Identität: CDU-Politiker Jens Spahn lehnt die Begriffe homosexuell und queer für sich ab. | DIE ZEIT
https://web.archive.org/web/20260505030559/https://www.zeit.de/news/2026-04/01/cdu-politiker-jens-spahn-ich-bin-schwul-nicht-queer
⁵ Homosexualität bei Nazis: Hitler selbst formte den Mythos vom schwulen Nazi - FOCUS online
https://web.archive.org/web/20250925080223/https://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/nationalsozialismus/homosexualitaet-bei-nazis-hitler-selbst-formte-den-mythos-vom-schwulen-nazi_id_11366957.html
⁵ Ernst Röhm - Die Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus
https://web.archive.org/web/20241203004810/http://www.cultpress.de/rosa-winkel/bio-roehm.htm
Alexander Zinn: Schwule Nazis. Homosexuelle in Presse und Propaganda der Linken.
https://web.archive.org/web/20241203004810/http://schwule-nazis.de/
@ixi@mastodon.online
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