@berndmichaelgrosch@mastodon.bayern
2024-11-27 09:27 UTC
Dichters Los
*
Den Dichter man gern kritisieret –
das war stets so in unser’m Land.
Für Hohn gar man sich nicht genieret –
hat schließlich doch seinen Verstand !
*
„Der arm’ Poet – mag er doch hungern !
Man selbst lebt ja in Saus und Braus.
Der Dichter mag sein’ Zeit verlungern
und leben wie die Kirchenmaus.
*
Erdreistet sich doch dieser Flegel
zu halten uns den Spiegel vor.
Hält sich nur selten an die Regel,
welch’ wir geschaffen – dieser Tor !
*
Sieht uns’re Welt mit ander’n Augen,
obwohl er lebet auch in ihr.
Will wohl des Nacht’s den Schlaf uns rauben
mit seinem dichterisch’ Gespür.“
*
Gelesen wird er freilich gerne –
doch dies steht auf `nem ander’n Blatt.
Man bleibt ja schließlich von ihm ferne,
auch wenn man ihn gelesen hat....
*
(Aus dem Verse-Band ‚Wolkenkönig‘ von B. Mich. Grosch)
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